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Zeit des Lebens

Alles hat seine Zeit.

Die Men­schen ver­trauen auf die Zeit. Nur ist die Zeit nichts, das ir­gendwo Hand an­legt und aktiv eine Ver­än­de­rung er­wirkt. Mehr noch ist die Zeit das vi­sua­li­sierte Ver­gehen. Was jen­seits der Vor­stel­lungs­kraft und ab­seits des Verstehen-Wollens liegt, wird in Zeit­ein­heiten ver­packt und leicht ver­dau­lich ser­viert. Wei­ter­lesen

Das Fenster II

Winterabend

(Photo credit: nueh)

[button link=»http://www.westsideblogger.de/2012/09/02/das-fenster/« color=»red« size=»small«]Das Fenster — Ab­schnitt 1 lesen![/button]

Die Flo­cken fielen immer dichter aus dem dunklen Himmel herab. Er fragte sich, wann alles so ge­kommen war. Es gab eine Zeit in seinem Leben, da hätte er mit seiner Tochter an einem Tisch ge­sessen, warmen Tee ge­nossen und mit ihr ge­plau­dert. Doch Zeit gab es keine mehr in seinem Leben. Sie war weg. Auf seinem Weg durch das Leben hatte die Zeit ihn ver­gessen. Ein Wan­derer zwi­schen den Uni­versen, ein Dämon, zeitlos und leblos. Er ballte eine Faust, hörte, wie sich die Mus­keln spannten, wie sie sich an den Kno­chen rieben und nach Taten dürs­teten. Es kam ihm bei­nahe so vor, als führten sie eine ei­gene, los­ge­löste Exis­tenz. Denn sein Ver­stand zog ihn zu seinem alten Leben zu­rück. Der Körper hin zu, ja, wohin sehnte sich der Leib? Er wusste es nicht. Folgte ihm aber anstandslos.

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Gedanken zur Macht und ihrem Erhalt

Der Krieg ge­biert keine Helden.

Und doch er­zählen uns die Bü­cher in epi­schen Zeilen von all den un­be­sieg­baren He­roen. Wie sie Schwert und Axt schwin­gend, auf schnau­benden und damp­fenden Schlacht­rös­sern durch die feind­li­chen Li­nien bre­chen; das Son­nen­licht beim An­blick ihrer Kraft sich ver­fins­tert und der Teufel selbst in seine Grotten schleicht. Wahr­lich, da gibt es fan­tas­ti­sche Zeilen, hin­ge­bungs­volle Hymnen auf Re­cken ver­gan­gener Tage. Es sind diese Texte und Lieder, die den Helden ent­stehen lassen. Letzt­lich sind wir selbst die Ge­burts­helfer einer Kaste, die mit blu­tigen Händen über die Welt herrscht.

Der Krieg bringt keinen Frieden.

Sie laufen in voller Montur über die Grenze, springen aus Flug­zeugen oder tau­chen durch ei­sige Meere. Sol­daten, aus­ge­bildet als Retter und Helden, mit dem Ziel die Welt zu be­freien. Men­schen zu er­lösen. Was sie den Völ­kern wirk­lich bringen, sind Tod, Ver­zweif­lung und Wür­de­lo­sig­keit. Sie ver­wüsten ganze Orte, schieben Schuld vor sich her und lassen den Be­woh­nern keinen Raum. Sie bre­chen in Woh­nungen ein, quälen ihre Opfer um die ei­gene An­span­nung zu ka­schieren. Das ist nicht die Art von Frieden, den sich die Men­schen dieser Erde wünschen.

Der Krieg si­chert keine Existenz.

Die Flüsse sind mit Blut ge­füllt und Tränen el­tern­loser Kinder fließen zu einer sal­zigen Lache im heißen Sand zu­sammen. Frauen ent­ehrt, Männer ver­krüp­pelt und Nach­kommen, die in die ewige Schwärze ab­ge­taucht sind, um den Schre­cken des Krieges zu ver­ar­beiten. Welche Exis­tenz steht ihnen bevor? Was ist die Lehre ihrer Leben? Die Struk­turen der Macht sind ohne Nar­kose im­plan­tiert worden.

Die Krie­ger­kaste hat sich an die Macht der Welt ge­schwungen und führt nun ihr un­barm­her­ziges Werk fort.
Der Macht­kampf geht auf ewig so weiter, wenn nicht ein Wechsel statt­findet. In re­kur­siven Ge­dan­ken­gängen sind die Men­schen in­ner­halb für all­ge­mein­gültig er­klärter Macht­struk­turen ge­fangen. An­ge­trieben vom in­di­vi­du­ellen Über­le­bens­kampf in einer de­so­laten, auf Konsum ge­trimmten Welt, werden wir selbst unser Ver­hängnis sein. Jetzt haben wir die Werk­zeuge, um end­lich ge­nü­gend Massen zu er­rei­chen, uns aus­zu­tau­schen und zu ver­stehen. In einer fernen Zu­kunft wird es uns hof­fent­lich ge­lungen sein, mit diesen Hilfs­mit­teln auch die Kluft in den Köpfen zu überbrücken.

 

»Not­hing but the pro­cess is in­fi­nite
Eternal, end­less, indefinite«

Von Bor­k­nagar aus dem Titel –Colossus–