Schlagwort-Archiv: Verkehr

Deppenmagnet

Ich bin kein klein­li­cher Mensch und drücke eher ein Auge zu, als mich um­ge­hend über be­stimmte Sach­ver­halte zu echauf­fieren. Au­ßerdem gibt es für alles einen Grund. Manchmal sogar einen guten. Wo al­ler­dings meine Ge­duld auf eine harte Probe ge­stellt wird, ist mensch­liche Igno­ranz. Ich meine jetzt nicht die, die sogar das braune Ge­sockse in un­seren Straßen eher duldet als ver­ur­teilt. Nein, ich meine die Igno­ranz, bei­nahe würde ich es Dumm­heit nennen, die im Stra­ßen­ver­kehr zu­gegen ist.  Wei­ter­lesen

Mit dem Tod im Sattel

Liebe Rad­renn­fahrer,

ich spreche Euch hier di­rekt an, weil mir dieses An­liegen durchaus ernst ist. Es geht hier um Leben. Und zwar um das Leben un­serer Tochter. Es ist nicht so, dass wir sie über­mäßig be­hüten würden oder alle Ge­fahren aus dem Weg räumen, damit das Kind in Watte ge­pols­tert groß wird. Aber, was ich auf gar keinen Fall möchte ist, dass sie die Blut­spritzer von euch Idioten auf der Wind­schutz­scheibe sieht, wenn sie mit mir Auto fährt. Ich möchte nicht, dass sie von der Po­lizei ver­hört wird, weil ihr Spinner euch auf der Straße ver­haltet, als wenn sie Euch ge­hören würde. Ich möchte, dass ihr das Kna­cken eurer Kno­chen unter un­seren Reifen er­spart bleibt, weil ihr Kurven schneidet, aus­schert und grund­sätz­lich keine Hand­zei­chen beim Ab­biegen gebt. Stellt euch dieses junge Leben vor, dass den Tod so früh ken­nen­lernen muss, weil Ihr ab­solut keine Ach­tung vor an­deren Ver­kehrs­teil­neh­mern habt. Kurz ge­sagt, ich finde Euch zum Kotzen. Diese Mei­nung kann nur durch Taten ge­än­dert werden. Ver­haltet euch so, dass ich nicht Ge­fahr laufe, einen von Euch über den Haufen zu fahren. Danke.

 

Mit freund­li­chen Grüßen

West­side­blogger und Meter®

Eine ganz normale Bahnfahrt

Opel Kadett C Coupé

Image via Wikipedia

Wenn einer eine Reise tut, dann kann was was er­leben. So sagt schon das alte, aber rich­tige Sprich­wort. Wir je­den­falls standen an einem Wo­chen­ende im So­merbst am Bahnhof und war­teten auf un­seren Zug. Dieser hatte, streng nach der in­ternen Bahn­vor­schrift HEXX_666, min­des­tens 15 Mi­nuten Ver­spä­tung. Kein Pro­blem. Unser Wa­gen­ab­schnitt lag nicht unter dem Dach und so konnten wir den fröh­lich sprü­henden Regen in voller Band­breite genießen.

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Irgendwo auf der A40

Rush Hour on the BAB 40 in Essen, Germany

Image via Wikipedia

Klebrig, zäh und schier endlos

führt dein Weg über holp­rigen Asphalt,

hek­ti­schen Blech­haufen folgend

wünscht du dir den süßen Duft

des hei­mat­li­chen Gartens

an jedem un­frei­wil­ligen Halt

sehn­süchtig herbei;

doch schwuls­tige Wolken

aus alten, ver­brannten Motorenölen

pul­sieren ät­zend in deinen Nasengängen,

um dich leicht entflammbar

der Tris­tesse eines Staus

in voll­en­deter, die Seele entblößender,

Nackt­heit,

hin­zu­geben.

Ist was, Doc?

Eine lange Straße ohne Kurve. Rechts der Wald, links die Felder. Auf der Wald­seite ein Kin­der­garten. Ein reiner Wald­kin­der­garten. Kein Park­streifen, nur ein mat­schiger Rand. Die Frau lehnt mit dem Ober­körper im Auto und schnallt die Kinder in den Sitzen an. Durch die Heck­scheibe sieht sie aus ei­niger Ent­fer­nung ein Auto kommen. Au­to­ma­tisch zieht sie ihre Beine ein klein wenig näher an die Ka­ros­serie heran.

Der näher kom­mende Wagen wird am 30-Schild nicht lang­samer. Jetzt kann man er­kennen, dass es ein Mer­cedes ist. Die Frau schaut noch­mals zur Heck­scheibe hinaus. »Ver­dammt!« denkt sie sich »Will der Idiot uns rammen?«. Der Wagen kommt näher. Der Fahrer macht keine An­stalten seine Rich­tung ein wenig zu kor­ri­gieren. Ein di­cker Kloß sitzt ihr im Hals.

Sie hält die Luft an. Un­fähig sich zu be­wegen, kann nicht schreien. Es knallt oh­ren­be­täu­bend. Die Tür ihres Autos hängt ver­bogen und ent­ehrt in den Schar­nieren. Ihre Knie zit­tern, Schweiß auf der Stirn. Die Luft wird noch eine Spur ei­siger. Noch immer in das Auto ge­beugt, kämpft sie mit der Ohn­macht. Der Mer­cedes fährt un­ter­dessen ein­fach weiter.

Nach ei­nigen hun­dert Me­tern bremst der Wagen ab und setzt zu­rück. Ein alter, wirk­lich alter Mann steigt aus. Er kommt auf die nun an dem Wagen der Frau ver­sam­melten El­tern­menge zu. Nie­mand sagt ein Wort. Fas­sungslos starren sie auf die Tür, dann auf den Mann.

»Hat je­mand meinen Au­ßen­spiegel ge­sehen? Ich glaube, ich habe den hier ver­loren.« — Die Menge japst nach Luft.