Schlagwort-Archiv: Tod

Der letzte Drink

Sie sitzen an der Bar. Etwas weiter aus­ein­an­dern als üb­lich. Ihm ist das noch gar nicht auf­ge­fallen, zu sehr ist er mit ihrer fan­tas­ti­schen Auf­ma­chung be­schäf­tigt. Dieses schwarze, eng ge­schnit­tene Kleid, viel Haut, um doch an den ent­schei­denen Stellen die Phan­tasie des Be­trach­ters zu be­flü­geln. Ver­mu­tungen, wilde Spe­ku­la­tionen und nie­mals ein­deutig. Wie lange sie nun schon in diese Bar gingen. Wie lange sie schon ge­meinsam ihre Drinks schlürften, sich über dies und das un­ter­hielten, rauchten, tranken, schwiegen. Wäh­rend er schaute und spe­ku­lierte, wie denn wohl ihre in­timsten Stellen aus­sehen würden. Diese kleinen Wöl­bungen, die alles ver­spra­chen, aber nichts preis gaben. Er fühlt sich wohl in seiner Rolle. Wei­ter­lesen

Todessehnsucht

Das kalte Mond­licht brannte die Nacht in seine Haut ein. Ein dunkles Ge­flecht ver­äs­telte sich über alle Glieder, die schwarzen Um­risse schwarz­ma­gi­scher Runen als Weg­weiser zu seinem Morbus. Sil­bern ruhte die Fläche des See­len­spie­gels über ihm. Das Ding, das einst er ge­wesen war, starrte un­be­wegt auf die fahle Ge­stalt zu­rück. Eine Wange zuckte leicht, deu­tete ein Grinsen an. Sie kam jetzt. Knis­ternd wogte die ei­sige Kälte der Schwärze zur Seite; aus den Schatten wirkten sich Kon­turen hervor, ma­ni­fes­tierten zu bösen Nebelschwaden.

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Die Stunde des Monsters

via westsideblogger
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All diese Men­schen. Einer Amei­sen­ko­lonie gleich, liefen sie durch die be­wachten Gänge, über die Stufen der kau­gum­mif­le­ckigen Treppen oder standen zap­pelig war­tend vor den ge­schlos­senen Türen der nach Urin stin­kenden Fahr­stühle. Große Kin­der­augen staunten oder ließen sal­zige Tränen an rot ge­weinten Wangen her­unter rinnen. Ge­schäf­tige Men­schen überall, hinter den Schal­tern ge­nauso über­for­dert wie davor. Fast konnte man die un­na­tür­liche An­samm­lung von Zeit­druck spüren, atmen und schme­cken. Zeit­mangel würde etwas me­tal­lisch wie Blut schme­cken, in der Nase wie Faul­wasser brennen  und zähem Wa­ckel­pud­ding gleich, jeg­li­ches Be­mühen um Pünkt­lich­keit ab­fe­dern, ver­hin­dern. Cho­le­risch rote Köpfe brüllten mit ent­zün­deten Ra­chen auf blasse, son­nen­licht­ferne Dienst­leister ein. Ver­zwei­felte Rentner hieben mit dünnen, zier­li­chen Fäusten auf Au­to­maten, Po­li­zisten ver­folgten dünne, schmut­zige Ge­stalten auf der Suche nach einem Schuss. Ob nun Al­kohol oder He­roin. Draußen un­ter­hielten sich die Ta­xi­fahrer über die Dä­cher ihrer Blech­kut­schen hinweg. War­teten auf den nächsten Fahr­gast, der si­cher­lich nervös und unter Zeit­druck das Ziel be­stimmen würde.

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10 Jahre danach

10 Jahre ist es her. Ich kann mich noch genau daran er­in­nern, wie wir uns das erste Mal sahen. Ja, wir hatten schon von ein­ander ge­hört. Wohl auch be­reits das eine oder an­dere Te­le­fonat ge­führt. Da­mals dachte ich, dass dieses Bild in meinem Kopf mich nicht be­trogen hatte. Du warst immer etwas blasser, immer etwas dünner, ja, manchmal auch sub­stanz­loser als man sonst ge­wohnt ist. Aber das musste so sein. Con­troller, Rech­nungs­prüfer halt. Als eben sol­cher passte dieses Bild, das man von Leuten mit deinem Beruf ent­wi­ckelt. Was sich am Te­lefon an­deu­tete, fand in der ersten per­sön­li­chen Be­geg­nung seine Fort­füh­rung. Auf beiden Seiten gab es viel Sym­pa­thie. Es machte mir sehr viel Spaß mit dir zu ar­beiten. Auch wenn es nicht immer ein­fach war. Deine akri­bi­sche Ge­nau­ig­keit brachte mich ein ums an­dere Mal schier um den Ver­stand. Es war gut. Die Er­geb­nisse die wir er­zielten, sie spra­chen für sich. Wir waren uns im Be­rufs­leben so nahe, wo uns privat leider die Ki­lo­meter trennten. Jetzt, 10 Jahre da­nach, hast du die letzte Rech­nung voll­endet. Du bist ge­storben. Nicht über­ra­schend, nein, aber doch mitten aus dem Leben ge­rissen. Ich werde dich und die mensch­liche Herz­lich­keit, die du mit in un­sere Ar­beit brach­test, schwer ver­missen. Mach es gut, mein Freund. Ich werde dich als einen der we­nigen, wun­der­baren Men­schen, die ich treffen durfte, in Er­in­ne­rung behalten.

Die Wut im Bauch

Wenn Men­schen einen Flauschs­torm je­mals be­nö­tigt haben, dann der junge Mann, der in den letzten 2 Tagen durch den me­dialen Fleisch­wolf ge­dreht wurde und die El­tern und Ver­wandten des Op­fers. Als wenn das Ver­bre­chen nicht schon schreck­lich genug wäre, muss mit Sen­sa­ti­ons­jour­na­lismus noch das letzte Quent­chen Schlag­zeile her­aus­ge­kit­zelt werden. Das ist ekel­haft und re­spek­tiert weder das Leben des jungen Men­schen, noch den Tod des kleinen Mädchens.

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