Schlagwort-Archiv: Jugend

Episoden

Wie ich da­mals im Spek­trum in Castrop-Rauxel Bla­den­horst rück­wärts vom Bar­ho­cker fiel, das Bier sich über mir er­goss und ich um Um­drehen die drei Typen im weißen Hemd am Ein­gang er­blickte, dann ver­suchte auf sie zu zu robben und allen laut­hals ver­kün­dete, ich würde diese Poser in Grund und Boden rammen, jeder Ver­such auf­zu­stehen schei­terte, ich aber weiter krab­belte und brab­belte und Bier aus meinem Haar in die Le­der­jacke tropfte und meine Freunde mich auf­hoben, hin­aus­trugen und an den Zaun stellte, an dem ich immer wieder her­un­ter­rutschte und meine Beine keinen Halt mehr fanden und ich schwor, nie mehr Bier und Joint zu mi­schen, aber am an­deren Tag alles von vorne begann.

Thomas Mann wäre jetzt ein klein wenig stolz, oder?

Das letzte Mal

Ich er­in­nere mich noch an diesen heißen Sommer von da­mals, als wenn es ges­tern ge­wesen wäre. Wie wir täg­lich den Fuß­marsch zu dem Teich be­stritten. Zwi­schen uns bau­melte der alte Ei­sen­eimer mit un­seren Uten­si­lien: An­gel­schnur, Si­cher­heits­na­deln, Würmer, min­des­tens eine Pa­ckung Over­stolz und eine Fla­sche Wasser, manchmal auch Bier.  Wei­ter­lesen

Das Zelt

Er ge­hörte schon seit einem Jahr nicht mehr dazu. Nach dem Schul­wechsel verlor er die eins­tigen Freunde und Freun­dinnen aus den Augen. Nicht zu letzt aus Scham, weil sich das Ge­rücht hielt, man hätte ihn auf eine Son­der­schule ge­steckt. Eine Schule für schwer er­zieh­bare Ju­gend­liche. Das war Quatsch, aber wer würde ihm glauben. Aus­ge­rechnet ihm, der be­kannt für sein Mund­werk mit der groß­spu­rigen Prah­lerei war. Nie­mand. Also ver­suchte er es erst gar nicht. Um so mehr war er er­staunt, als eines Tages das Te­lefon klin­gelte und am an­deren Ende sein ehe­ma­liger bester Freund eine Ein­la­dung zum Klas­sen­treffen über­mit­telte. »Aber ein ganz be­son­deres! Wir gehen am Kanal zelten. Auch nicht alle. Nur ein paar von den Jungs und die Mäd­chen. Also, DIE Mäd­chen!«  Wei­ter­lesen

Natürlich faul

English: Goat Church, chapter house - seven de...

Tod­sünde: Faul­heit, Träg­heit des Herzens/des Geistes — Schla­fender Mensch und Fle­der­maus (Photo credit: Wikipedia)

Ich gebe es oft und gerne zu. Ich bin faul. Stink­faul. Aber nur in be­stimmten Dis­zi­plinen. Kaffee ko­chen fällt nicht in diese Ka­te­gorie. Dort ist eher ein kon­ti­nu­ier­li­ches Be­mühen um eine aus­ge­wo­gene Dosis. Faul­heit ist dabei nicht an­ge­raten. Rou­tine und Kon­ti­nuität ja, aber man darf dabei nicht in Faul­heit ver­fallen. Böse Zungen be­haupten, ich würde aus Faul­heit ar­beiten. Ich kann Ar­beits­folgen so op­ti­mieren, dass sie mir keine Mühe mehr ma­chen. Oder ich igno­riere sie, bis sich ein an­dere Mensch er­barmt. Dabei muss ge­sagt sein, dass ich nur Auf­gaben igno­riere, die nicht un­mit­telbar mit mir zu tun haben.

Bevor ich starte, ist mein erster Ge­danke, wie ich die Auf­gabe mög­lichst so an­gehe, damit sie schmerzlos zu ver­ar­beiten ist. Ja, hin und wieder stecke ich mehr Zeit in die Ge­danken zur Vor­be­rei­tung, als für die ei­gent­liche Durch­füh­rung not­wendig wären. Aber das Thema dieses Ar­ti­kels ist eben »Na­tür­lich faul«. Dieses kleine Faul­tier, das sich mit seinen scharfen Krallen an meinen Elan krallt und ihn zum Nach­denken bringt. Ich finde es gar nicht schlecht. Zumal es mit jedem Jahr ge­ris­sener wird und mir mehr und mehr Dinge ein­fach er­spart. Sollen doch die Jungen sich vor­drän­geln. Manchmal muss ich lä­cheln, wenn ich sehe, wie fürch­ter­lich be­müht und an­ge­strengt sie sind. Dann lehne ich mich zu­rück und ge­nieße meine Faul­heit in vollen Zügen. So lange sie eben dauert.

Purple Rain oder die verlassene Seele

Bewegungen nach entfernten Orten / Christina K...

Image by Ars Elec­tro­nica via Flickr

Sie war ein­fach nicht wie all die an­deren Mäd­chen. Sie trug kurze, strup­pige Haare, enge Hosen und ex­trem coole Jeans­ja­cken. Seine Augen hatten sich in sie ver­liebt, bevor das Herz sie er­fassen konnte. Sie trank Tee, wenn die Masse sich mit Cola oder Bier be­gnügte, sie tanzte als Ein­zige und spuckte hin und wieder in den Rinn­stein. Ihr Lip­pen­balsam war ge­ruchs– und ge­schmacks­neu­tral, das Deo über­strahlte nicht den Ei­gen­duft ihrer wun­der­baren, blassen, wei­chen Haut. Som­mer­sprossen trug sie mit Stolz und auf scham­lose Dinge wie Knutsch­fle­cken kam sie erst gar nicht. Aber all dies er­fuhr er erst viel später.

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