Schlagwort-Archiv: Geschichte

Flambierter Auflauf

Es war ein ge­wöhn­li­cher Abend in einem ge­wöhn­li­chen Jahr mit dem für den Herbst ge­wöhn­li­chen Nebel in den Straßen. Ich sah davon erst einmal nichts, weil ich schrei­bend auf den Mo­nitor starrte. Eine Ge­schichte si­ckerte eher zäh und zornig aus meinem Kopf. Wit­te­rungs­be­dingt, nehme ich an. Wäh­rend ich mich und die Tasten durch den Buch­sta­ben­salat quälte, drang un­ver­mit­telt eine Stimme an mein Ohr. Wei­ter­lesen

Siebenauge

 

Was pas­siert, wenn es einen Men­schen gibt, der sieben Augen hat?“ Diese Frage stellte mir un­sere Tochter heute. Sie er­wartet dann grund­sätz­lich eine um­fas­sende Ant­wort, die ohne Um­wege von mir zu geben ist. Für dieses Mal drehte ich den Spieß aber herum. Mit­tels Ge­gen­fragen von mir, ließ ich sie die Ant­wort geben, bzw. plötz­lich er­zählte sie die Ge­schichte über Sie­ben­auge. Und hier nun un­sere be­rei­nigte Version.

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Der kleine Forscher

Was im Wohnzimmer passiert... via westsideblogger

Es war einmal ein kleiner For­scher, der wollte immer alles ganz genau wissen. Al­ler­dings war der For­scher so klein, dass er noch nicht viel von der Welt wusste. Ei­gent­lich war er sogar so klein, dass er viele, viele Dinge noch gar nicht kannte. Des­wegen war der kleine For­scher immer be­müht ganz viel zu lernen. Er las Bü­cher, eins nach dem an­deren. Und wie es der Zu­fall wollte, er­wischte er ir­gend­wann das große Buch der Höhlen. Er ver­schlang wiss­be­gierig die ersten Seiten, als im klar wurde, dass er un­be­dingt eine Höhle er­for­schen musste. »Ja, das muss ich un­be­dingt wissen!« rief er eu­pho­risch aus.

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Der unglückliche Karton

In einem Zimmer unter einem Bett stand ein kleiner Karton und schaute traurig in die Welt. Vor ei­niger Zeit war er noch ein glück­li­cher Karton ge­wesen, trug er doch die schönsten Schuhe in sich, die sich ein Mäd­chen wün­schen konnte. Doch was war der kleine Karton er­staunt, als das Mäd­chen die Schuhe aus dem Karton ent­nahm, ihn achtlos unter das Bett schleu­derte und nur noch Augen für die Schuhe hatte.

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Von Schöpfern und Monstern

Bari vecchio I
Image by cara l f cou­rage via Flickr

Ihre ganze ver­wor­rene, bis­weilen bi­zarre Exis­tenz, liegt in meiner Hand. Es über­kommt mich schon hier und da der Übermut und ich spiele mit ihnen. Manchmal auch mit ganzen Sze­ne­rien. Sie hängen an meinen Fin­gern, ge­steuert von meinen Ge­danken, keine Chance auf Er­lö­sung. Was sie als Er­lö­sung an­sehen mögen, ist letzt­end­lich mein Gna­den­stoß. Es kommt vor, dass sie auf­be­gehren. Nicht alle zu­sammen, aber einer ist unter ihnen, der mich her­aus­for­dert. Er steht da, im trüben Licht einer Gas­la­terne, an­ge­lehnt am Maste sel­biger, schaut mit vor­ge­recktem Kinn durch den wal­lenden Nebel der Straße, die hinter der letzten Kurve ins Nir­gendwo führt, blin­zelt spöt­tisch und tut nichts von dem, was ich ihm auf­trug. Ich lasse an­dere für ihn leiden. Sie er­tragen meine peit­schenden Worte, schauen hoff­nungs­voll zu ihm her­über. Aber er ist nicht euer Mes­sias! Er ist nur der Fahrer des Wa­gens, der ir­gend­wann hinter der Kurve, auf der Straße ins Nir­gendwo, ein­fach so ver­schwindet. Mein letzter Wille ge­schieht immer. So­lange die Tinte ohne Un­ter­bre­chung die Buch­staben auf das Pa­pier bringt, wird meiner auf Ge­danken ge­führten Hand Folge geleistet.

Hinter der Kurve auf der Straße ins Nir­gendwo. Am Ende der Tinte. Dort wo sie die Ver­hei­ßung ver­muten, wohnt der re­di­gie­rende Lektor. Nicht we­nige meiner Per­sonen sind ihm zum Opfer ge­fallen. Viele Hand­lungen hat er ge­stri­chen und meine Ge­schöpfe in den ewig mah­lenden Strom der Kor­rek­tur­fahnen ge­worfen. Er ist das wahre Monster, wäh­rend ich euer Schöpfer bin.