Schlagwort-Archiv: Die Welt

Weltwürger

Bundesarchiv Bild 183-23572-0053, Görlitz, Mus...

Die Welt ist auf­ge­teilt. Aus wirt­schaft­li­chem In­ter­esse haben sich die Länder hinter Grenzen auf Land­karten ver­schanzt. Und in­ner­halb dieser Land­marken muss alles so sein, dass es zu den mo­ne­tären Ge­pflo­gen­heiten der Re­gie­renden und In­dus­trie­ellen funk­tio­niert. Vor­der­gründig öff­neten eben diese Ver­treter der Staaten sich nach außen und luden die Be­wohner an­derer Kon­ti­nente zu sich ein. Dass genau diese Öff­nung aber an den Rän­dern Eu­ropas nicht exis­tent ist, be­legen die Be­richte über die Be­hand­lung von Flücht­lingen. Mehr als einmal konnten wir in den Me­dien lesen, wie sie ab­ge­schoben, auf In­seln in Camps ge­zwungen und auch an­sonsten nicht zu den ge­la­denen Gästen in diesem so welt­of­fenen Eu­ropa ge­hören. Gern ge­sehen, das wissen wir, sind die wirt­schaft­lich in­ter­es­santen Ver­treter an­derer In­dus­trien, po­tente Vertragspartner.

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Glücklich aber geschafft

Es ist müde. Es ist furchtbar schlapp, quen­gelig und neigt zu starker Was­ser­bil­dung im Au­gen­be­reich. Etwas mehr als 100cm nagen an den Nerven aller An­we­senden. Man möchte es in eine Kühl­ta­sche stopfen und hoffen, dass die be­ru­hi­gende Wir­kung einer dunklen, kalten Kammer ein­tritt. Es schreit. Es mop­pert herum. Es will nicht hören. Spielen, nein, lieber nicht, lieber raus, halt, doch rein. Nein, es ist nicht müde, be­teuert es. Nein, es wolle nicht schlafen, herrscht es uns an. Und über­haupt, wolle es nicht mehr mit uns reden. Alles sei ganz ge­mein. Das Essen schmeckt nicht. Grillen, so was doofes möchte es nicht.

Habe ich be­reits er­wähnt, dass unser Meter ges­tern er­folg­reich im Wald zel­tete? Ohne Mama und Papa. Nach Aus­sagen der Er­zieher war es spät, als die letzte Ta­schen­lampe er­losch. Das ge­mein­same Früh­stück in der Zelt­stadt funk­tio­nierte noch ta­dellos, aber da­nach ging bei den Kinder nichts mehr. Über­dreht, auf­ge­regt, müde und voller Ta­ten­drang. Alles gleich­zeitig. Wun­der­schön anzusehen.

Erneuerung

Mittags am Deich
Mit­tags am Deich (Photo credit: BlueRidgeKitties)

Sie streckten ge­meinsam die Finger in den Himmel, von ihren Spitzen liefen kleine Welle über das Fir­ma­ment. Die Welt wollte sich aus­dehnen, sich eman­zi­pieren von allem, was war, doch deu­tete sie die letzte Kon­se­quenz nur an, er­hielt die Struktur, ohne zu bersten.

Ein Schau­dern hetzte ge­dan­ken­ver­loren über die Arme, lieb­koste kurz den Na­cken und wand sich in Spi­ralen den Rü­cken hinab, zwickte leicht in die Waden, sprang auf den Boden, verharrte.

Für einen selt­samen, kleinen Au­gen­blick schien die Welt zu tru­deln, bevor am Rande der Wahr­neh­mung die Sonne in My­riaden von äthe­ri­schen Kas­kaden herab reg­nete. Ein Son­nenbad in li­quiden Wellen aus Licht­fäden durch­brach die Stra­to­sphäre, drang in sie ein und wärmte von innen.

Rea­lität rieb sich an der auf­kom­menden Lu­zi­dität einer von Farben durch­drun­genen Welt, deren Kanten in den schönsten Träumen der Un­schuld zu gi­gan­ti­schen Farb­spielen er­blühten, um den alten, tro­ckenen Staub zu­rück in das kalte Uni­versum zu drücken.

Danach

AKW Gundremmingen Meiler
Image via Wikipedia

Gierig saugte er das kühle Nass aus dem Fluss. Wie lange hatten sie nichts mehr ge­trunken? Ewig­keiten! Er musste trinken. Klar und kalt lief das Wasser seine Kehle hinab. Dann, als er merkte wie sein Bauch langsam an­schwoll, hielt er inne. Er wollte sich nicht über­geben. Nachdem die Ka­nister ge­füllt waren, machte er sich wieder auf den Weg zu seinen Leuten. Er hoffte, nicht den An­deren zu be­gegnen. Sie lebten in schwie­rigen Zeiten. Es war die Zeit danach.

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