Kategorie-Archiv: Gedichte & Verse

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Wissensarbeiterkopfgetöse

Wis­sens­wisser, Wis­sens­ar­beiter, Wis­sens­ver­walter, Wis­sens­ver­gesser, Wessenwissenswissender…

Voller Lust stürze ich mich in die Unwissenheit.

Freier Fall und kein Buch, kein Rat­geber, kein Mentor und kein Wis­sender, wo die Hände sich halten könnten, an dem be­quemen, warmen, alten Wissen.

Er­in­ne­rungen. Be­kannte Merk­sätze, Pa­rolen und Ausrufezeichen.

Mut­maße. Mut mit Maß. Maße mir Mut an. Knor­riges Geäst aus alten Phrasen, brenne nieder.

Brennen musste auch Salem. Hell leuchten soll alles Neue, was schwierig zu greifen, be­greifen und  auf­zu­greifen ist.

All das, was Un­si­cher­heit be­deutet, was er­lernt werden muss, was Farbe bringt in Grauschattierungen.

Wis­sens­wisser, du sagst jetzt mal nichts. Still. Schweig!

Ich suhle mich in praller Un­ge­wiss­heit. Un­ge­wiss. Das bin ich. Du.

Alles.

Und überhaupt

Wann hast du zu­letzt das Leben laut und freudig zelebriert?

Was ist an deinen Tagen denn so dunkel, dass du nicht mehr la­chen kannst?

Du war­test bis alles ver­laden ist und das Seil am Last­kran leise quiet­schend am ein­samen Kai im Takt deiner Le­bens­angst pendelt.

Und über­haupt, du stehst da in den Pfützen, siehst das Meer, die Wellen und fühlst die Leere, nicht die Weite, siehst nicht den Horizont.

In­mitten deiner ei­genen Mo­no­tonie ver­fluchst du dich und den Sturm, den du ge­fangen in dir begräbst.

Wann hast du zu­letzt mit Men­schen ge­meinsam gelacht?

Was ist in deiner Welt denn so schief ge­laufen, dass du nicht mehr fühlen kannst?

Der Trott als Trost für deine Be­we­gungs­lo­sig­keit, die Rich­tung immer gleich, an den grauen Mauern ent­lang, Beton im Kopf und davor.

Und über­haupt, du stehst da in den Straßen, siehst die Men­schen, das Leben, fühlst die Leere, nicht den Trubel, siehst nicht die Möglichkeiten.

In­mitten deines Selbst­mit­leides weinst du Tränen um dich und deine Liebe, die du ge­fangen in dir begräbst.

Über deinen Augen

Über deinen Augen ziehen sich die Fur­chen in Bahnen zur Sorge entlang.

Über deinen Augen steht die Wahr­heit ge­schrieben, die in ihnen nicht zu lesen ist.

Über deinen Augen küsse ich das Leben bis es brennt.

Bis wir brennen und nie­mand uns mehr lö­schen kann.

Über deinen Augen steht die Wahr­heit geschrieben.

Weil ich sie dort sehen kann.

Das Ding in mir

Dieses Ding, das in mir lebt, seit Äonen an mir nes­teltet und sich breit macht, in der Dun­kel­heit, im Son­nen­licht, durch das Herbst­laub streift und im Schnee tiefe Spuren zieht; das durch mich spricht, in mir hin­ein­sieht und Tat­sa­chen von Träumen se­pa­riert, immer an einem Zipfel hängt und sich nicht ab­schüt­teln lässt, das ich nicht los­lassen will; wie es sich schüt­zend mit Wärme in das kalte Herz schmiegt, es wie Blei auf zit­ternden Glie­dern liegt und leise flüs­ternd frohe Worte sagt; das Schritte macht und Brü­cken baut, kein Zau­dern er­lauben will und for­dernd in die Zu­kunft schaut.
Dieses Ding, das in mir die Hoff­nung trägt. Das bin ich.

Hin und wieder

Hin und wieder eine Träne ver­drü­cken
aus Angst
Un­ge­wiss­heit
Sorge
immer wieder diese Angst
Ver­klärte Blicke
nir­gend­wohin
all­um­fas­sendes Nichts
und diese Macht­lo­sig­keit
dieses Er­tragen wollen
müssen
können
Wohin mit all dem?
See­len­gifte im Trä­nensee
Ver­klap­pung der Rea­lität
und dann wieder
diese Angst
Wie es wird
Ob es wird
Wann
Atmen
Atmen
Atmen
Hin und wieder eine Träne ver­drü­cken
Das Lieben nie ver­gessen
Die Lei­den­schaft eines jeden
Au­gen­bli­ckes
er­leben
Die Freude am Leben
er­halten
was es aus­macht
wie es ist
ist es gut
weil es so ist, wie es sein kann
Hin und wieder eine Träne ver­drü­cken
Nicht schlimm.
Nicht so schlimm.
Mut.
Lei­den­schaft.
Liebe.
Hin und wieder eine Träne verdrücken.