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Das Ende einer Äera

Es ist vorbei. Für immer. Die In­dus­trie hat es be­schlossen. Nie mehr werden wir das edle Ein­rasten, das leise, ja fast zärt­liche Kna­cken der Tasten hören können. Und dann die Her­stel­lung von Band­salat. Auch sehr schön.

Leise, still und heim­lich hat Sony die Her­stel­lung des Walkman ein­ge­stellt. In etwa dreißig Jahre hat er durch­ge­halten. Und noch immer wohnt die Er­in­ne­rung in mir, wenn auf den Kas­setten die neu­esten Songs aus dem Radio auf­ge­nommen wurden. Ah, da hat er schon wieder rein­ge­quatscht… ver­dammt. In frü­hester Ju­gend rückte man mit den Mäd­chen näher zu­sammen und hielt sich die Kopf­hörer zwi­schen die eng an­ein­ander lie­genden Köpfe. Sinn­lich­keit pur. Ok, da­mals pul­sierte auch schon Me­tal­lica oder Iron Maiden aus den kleinen Hö­rer­chen. Man musste sich eben die Mäd­chen in der ent­spre­chenden Gruppe su­chen. »Heh! Teilst du den Kopf­hörer mit mir?«

Zur Grund­aus­stat­tung eines jeden Ruck­sacks ge­hörten di­verse Kas­setten mit ver­schie­densten Mu­sik­rich­tungen und Massen von Bat­te­rien. Die Fla­sche Cola ver­stand sich von selber, ganz Mu­tige hatten O-Saft. Im Freibad sah man kaum einen Kopf auf den De­cken, der im Son­nen­licht nicht durch einen silb­rigen Streifen auf­ge­hellt wurde. Eine grüne Wiese voll fried­li­cher Engel. Selbst die Kas­setten wurden im Laufe der Jahre immer wert­voller schwerer, weil an­geb­lich ei­sen­hal­tiger. Als die ein­zelne Kas­sette mit so ein­präg­samen Be­zeich­nungen wie FeCr, Typ III als das Beste vom Besten an­ge­priesen wurden, musste nun end­lich auch Vater die Kas­setten kaufen.

Die nächste Evo­lu­ti­ons­stufe war dann die Da­tatsette zu meinem C64 von Com­mo­dore. Pein­lich, wenn in sinn­li­chen Stunden aus den Kopf­hö­rern das daten­ty­pi­sche Kna­cken, Fiepen und Rau­schen kam.

Und so geht diese Epi­sode erst Jahr­zehnte nach dem Ende meiner Ju­gend, in die ewigen Jagd­gründe der In­dus­trie ein. Muss mal eben nach­sehen, ob mein iPhone end­lich auf­ge­laden ist.

(Ich ver­misse das Ent­fernen der fiesen Bänder aus dem Re­korder nicht im Ge­ringsten. Tage meiner Ju­gend habe ich vor Ton­köpfen ver­bracht, die eng um­schlungen mit dem Ton­band in den Tod gehen wollten. Ich habe sie alle zurückgeholt!)