Der kleine Forscher

Was im Wohnzimmer passiert... via westsideblogger

Es war einmal ein kleiner For­scher, der wollte immer alles ganz genau wissen. Al­ler­dings war der For­scher so klein, dass er noch nicht viel von der Welt wusste. Ei­gent­lich war er sogar so klein, dass er viele, viele Dinge noch gar nicht kannte. Des­wegen war der kleine For­scher immer be­müht ganz viel zu lernen. Er las Bü­cher, eins nach dem an­deren. Und wie es der Zu­fall wollte, er­wischte er ir­gend­wann das große Buch der Höhlen. Er ver­schlang wiss­be­gierig die ersten Seiten, als im klar wurde, dass er un­be­dingt eine Höhle er­for­schen musste. »Ja, das muss ich un­be­dingt wissen!« rief er eu­pho­risch aus.

So­dann machte er sich auf in die Stadt, um Aus­rüs­tung für seine Un­ter­neh­mung zu kaufen. Eine große Ta­schen­lampe, einen kleinen Gas­ko­cher, viele Kon­ser­ven­dosen mit Obst und Ge­müse, quietsch­gelbe Gum­mi­stiefel, Was­ser­fla­schen und zu guter Letzt einen rie­sigen Ruck­sack. Nachdem er alles in dem Ruck­sack ver­staut hatte, sah es aus, als wenn dieser ohne Träger über die Straßen laufen würde. Die Leute schauten ver­wirrt drein, weil sie den kleinen For­scher unter dem Ruck­sack nicht sehen konnten.

Der kleine For­scher lief durch einen grünen Wald, kam an einem tiefen See vorbei und über­wand ein großes Ge­birge. Dann end­lich fand er eine Höhle. Wie er so vor dem Ein­gang stand, wirkte diese sehr im­po­sant auf ihn ein. Dunkel und mächtig stach der Ein­gang aus den hel­leren Felsen heraus. Doch der kleine For­scher war nicht nur klein, er war auch mutig. So schal­tete er seine Ta­schen­lampe an und be­gann in die Höhle zu steigen. Weil er aber weder ein Seil noch einen Kom­pass dabei hatte, musste er mit einem spitzen Stein die Wand an ent­spre­chenden Stellen einritzen.

Er taste sich immer tiefer in die Höhle. Es wurde immer dunkler und immer kälter. Hin und wieder tropfte im Wasser von der Decke in das Ge­sicht. Es war kalt und schmeckte nach Kalk. Der Boden wurde immer schlüpf­riger und er musste auf­passen nicht aus­zu­rut­schen. Doch als er um eine Ecke bog und die Ta­schen­lampe nervös über die Wand huschte, übersah einen einen Stein und stol­perte. Im hohen Bogen flog die Lampe an die Wand und er­losch dann, wäh­rend sie weiter in den Gang kul­lerte. Ent­geis­tert lauschte der kleine For­scher dem Geräusch.

Wäh­rend er so da stand und die plötz­liche Dun­kel­heit auf ihn ein­wirkte, musste er zu­geben, dass sein Herz doch ein klein wenig in die Hose ge­rutscht war. Ein wenig Angst machte sich breit. Er hockte noch immer auf dem nassen, kalten Boden und über­legte, wie er wieder an seine Lampe kommen könnte. Und ob sie über­haupt noch funk­tio­nierte. Er sah die Hand vor Augen nicht, als er langsam auf allen Vieren vor­wärts robbte. Ganz langsam und vor­sichtig. Plötz­lich griff seine Hand in etwas glit­schiges und vor lauter Schreck sprang er auf.

Sein Kopf streifte einen le­dernen, warmen Körper. Er schrie un­ver­mit­telt auf und mit einem Mal war die Dun­kel­heit voller Leben. Es flat­terte und flappte im ihn herum, so­dass er ein­fach weiter stol­perte. Dann fiel er wieder hin, lan­dete aber, er konnte sein Glück kaum fassen, auf seiner Ta­schen­lampe. Schnell machte er Licht. Im Kegel des Strahls sah er Aber­tau­sende von Fle­der­mäusen auf­ge­regt durch die Dun­kel­heit flat­tern. Sein Herz sank noch tiefer und er nahm die Beine in die Hand. Er rannte in Rich­tung Aus­gang, die Fle­der­mäuse, die sich in ihrer Ruhe ge­stört fühlten, flat­terten ein­fach mit. Aber oh weh, immer wieder musste er seine Ritzen in den Wänden su­chen, damit er nicht die Ori­en­tie­rung verlor. Da wünschte er sich nichts sehn­li­cher, als einen Kompass.

Erst als er wieder das Ta­ges­licht sehen konnte und einen Atemzug an fri­scher Luft machte, verlor sich seine Angst ein wenig. Doch eins war ihm nun klar ge­worden: Ohne Be­gleiter würde er nie wieder so ein Aben­teuer wagen. Au­ßerdem, so dachte er, macht es mit einem Freund zu­sammen viel mehr Spaß die un­be­kannten Dinge der Welt zu erforschen.

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