Sind wir blind?

"mit vollgas ins chaos"
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Dort ein Dik­tator, drüben die To­des­strafe, hier das CO2 und an­dern­orts wütet die Hun­gersnot, da die Zensur und die Banken mit dem di­cken Profit, Po­li­tiker lügen und die Presse spielt „Ich lüge besser“. Themen, die, jedes für sich ge­sehen, ge­nü­gend Stoff bieten, um einen herr­li­chen Darm­krebs zu organisieren.

Wenn ich in meinem Ge­dächtnis her­um­krame, vor­nehm­lich in der Ge­schichts­ecke, kommen mir ei­nige Dinge wie er­lebt, im Sinne von ge­lesen, vor. Fast alle Ka­pitel in den Bü­chern wissen von Ein­zel­per­sonen oder Grup­pie­rung, die ganze Heer­scharen in­stru­men­ta­li­sierten. Das ist nicht neu. Im Zeit­alter der Glo­ba­li­sie­rung sieht die Sache an­ders aus.

Die Glo­ba­li­sie­rung, bzw. die wirt­schaft­li­chen Ver­äs­te­lungen, sind Selbst­läu­fern. Wollte man sie än­dern, dürfte es keine Ret­tungs­schirme geben. Zu­sam­men­bre­chen lassen, den Markt rei­nigen. Das wäre die einzig funk­tio­nie­rende Al­ter­na­tive. Wer will denn dieses Mons­trum, das längst von der Wirt­schaft be­herrscht wird, noch bän­digen? Wer ist ei­gent­lich diese Wirtschaft?

Wirt­schaft, das ist in meinen un­pro­fes­sio­nellen Augen, der Markt. Der nicht ver­trag­lich her­bei­ge­führte, trotzdem zwangs­weise be­ste­hende Ver­bund aller Markt­be­tei­ligten. Also auch uns. Selbst wenn wir es nicht wahr­haben wollen, aber zu Hause auf einem 40 Zoll Flatscreen das Dschun­gel­camp schauen, hin­terher gegen Atom­strom pro­tes­tieren, mag das ei­gene Ge­wissen be­ru­higen, bringt der Sache nichts. Wenn wir wollen, dass z.B. Hun­gers­nöte in Afrika er­folg­reich ab­ge­stellt werden können, ge­hört in die Ga­rage kein Ca­yenne oder Volvo. Das Auto muss nicht über 100 PS auf die Straße bringen.

Ja, viele werden sich fragen, warum sie immer die sein sollen, die ver­zichten. Es geht hier ja nicht um Ver­zicht, son­dern um das Er­zwingen von Ver­än­de­rungen. Dafür gibt es zwei Mög­lich­keiten. In der ersten Va­ri­ante or­ga­ni­sieren wir uns alle Waffen und schaffen den blu­tigsten Um­sturz welt­weit, den dieser Pla­neten sah. Ob er sich davon er­holt, kann nie­mand wissen. Die an­dere Op­tion wäre, den Märkten, sprich der Wirt­schaft, den Boden zu ent­ziehen. Auch hier wird es bri­sant, aber die Ver­sor­gung der Men­schen mit den le­bens­not­wen­digen Dingen, hätte eine reale Chance.

Es ist leicht zu sagen, die Wirt­schafts­bosse seien schuld. Sie be­dienen nur einen Markt, den sie lange nicht mehr kon­trol­lieren. Uns können sie ani­mieren, ihren Schund zu kon­su­mieren. Wie be­reits er­wähnt, kaufen wir diesen Plunder, um wei­teren Mist auf­zu­saugen. So ist der Kopf mit an­deren, un­wich­tigen Dingen be­schäf­tigt, kommt nicht auf die wich­tigen Ideen. Der Ver­zicht auf den Luxus-Schnickschnack aus dem Dis­counter (ei­gent­lich ein Un­ding), wäre ein An­fang. Hin­sehen, wie was wo pro­du­ziert wird. Man muss nicht blind in die Re­gale greifen und sich mit Gift vollpumpen.

Fließt erst ge­nü­gend Gift durch die Blut­bahnen, kommt der Ge­danke, man sei Opfer einer großen Ver­schwö­rung von Wirt­schafts­bossen. Ich sage, das ist kom­pletter Schwach­sinn. Ver­sklavt an den Konsum, das haben wir uns selber. Von A bis Z lassen wir uns be­dienen. Nicht nach­denken! Wo kommen die Mil­lionen Steaks her, die bei Real oder sonst einem Groß­markt über die La­den­theke gehen? Nicht aus einer nach­hal­tigen Rin­der­zucht, die für die Um­welt ver­träg­lich ist. Un­sere ei­gene Gier wird uns richten. Und der Markt nährt sich weiter an uns. Kon­sum­sucht, die mit jedem Tag ex­or­bi­tanter zu werden scheint. Für ihn ist gut ge­sorgt. Denn wir sind blind.

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