Sind wir blind?

"mit vollgas ins chaos"

Image by fr1zz via Flickr

Dort ein Diktator, drüben die Todesstrafe, hier das CO2 und andernorts wütet die Hungersnot, da die Zensur und die Banken mit dem dicken Profit, Politiker lügen und die Presse spielt „Ich lüge besser“. Themen, die, jedes für sich gesehen, genügend Stoff bieten, um einen herrlichen Darmkrebs zu organisieren.

Wenn ich in meinem Gedächtnis herumkrame, vornehmlich in der Geschichtsecke, kommen mir einige Dinge wie erlebt, im Sinne von gelesen, vor. Fast alle Kapitel in den Büchern wissen von Einzelpersonen oder Gruppierung, die ganze Heerscharen instrumentalisierten. Das ist nicht neu. Im Zeitalter der Globalisierung sieht die Sache anders aus.

Die Globalisierung, bzw. die wirtschaftlichen Verästelungen, sind Selbstläufern. Wollte man sie ändern, dürfte es keine Rettungsschirme geben. Zusammenbrechen lassen, den Markt reinigen. Das wäre die einzig funktionierende Alternative. Wer will denn dieses Monstrum, das längst von der Wirtschaft beherrscht wird, noch bändigen? Wer ist eigentlich diese Wirtschaft?

Wirtschaft, das ist in meinen unprofessionellen Augen, der Markt. Der nicht vertraglich herbeigeführte, trotzdem zwangsweise bestehende Verbund aller Marktbeteiligten. Also auch uns. Selbst wenn wir es nicht wahrhaben wollen, aber zu Hause auf einem 40 Zoll Flatscreen das Dschungelcamp schauen, hinterher gegen Atomstrom protestieren, mag das eigene Gewissen beruhigen, bringt der Sache nichts. Wenn wir wollen, dass z.B. Hungersnöte in Afrika erfolgreich abgestellt werden können, gehört in die Garage kein Cayenne oder Volvo. Das Auto muss nicht über 100 PS auf die Straße bringen.

Ja, viele werden sich fragen, warum sie immer die sein sollen, die verzichten. Es geht hier ja nicht um Verzicht, sondern um das Erzwingen von Veränderungen. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten. In der ersten Variante organisieren wir uns alle Waffen und schaffen den blutigsten Umsturz weltweit, den dieser Planeten sah. Ob er sich davon erholt, kann niemand wissen. Die andere Option wäre, den Märkten, sprich der Wirtschaft, den Boden zu entziehen. Auch hier wird es brisant, aber die Versorgung der Menschen mit den lebensnotwendigen Dingen, hätte eine reale Chance.

Es ist leicht zu sagen, die Wirtschaftsbosse seien schuld. Sie bedienen nur einen Markt, den sie lange nicht mehr kontrollieren. Uns können sie animieren, ihren Schund zu konsumieren. Wie bereits erwähnt, kaufen wir diesen Plunder, um weiteren Mist aufzusaugen. So ist der Kopf mit anderen, unwichtigen Dingen beschäftigt, kommt nicht auf die wichtigen Ideen. Der Verzicht auf den Luxus-Schnickschnack aus dem Discounter (eigentlich ein Unding), wäre ein Anfang. Hinsehen, wie was wo produziert wird. Man muss nicht blind in die Regale greifen und sich mit Gift vollpumpen.

Fließt erst genügend Gift durch die Blutbahnen, kommt der Gedanke, man sei Opfer einer großen Verschwörung von Wirtschaftsbossen. Ich sage, das ist kompletter Schwachsinn. Versklavt an den Konsum, das haben wir uns selber. Von A bis Z lassen wir uns bedienen. Nicht nachdenken! Wo kommen die Millionen Steaks her, die bei Real oder sonst einem Großmarkt über die Ladentheke gehen? Nicht aus einer nachhaltigen Rinderzucht, die für die Umwelt verträglich ist. Unsere eigene Gier wird uns richten. Und der Markt nährt sich weiter an uns. Konsumsucht, die mit jedem Tag exorbitanter zu werden scheint. Für ihn ist gut gesorgt. Denn wir sind blind.

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